TrueNAS
Angelegt Montag 13 April 2026
Mein Favorit beim Thema Netzwerk-Speicher ist TrueNAS.
TrueNAS verwendet OpenZFS als Dateisystem. Die wichtigsten Eigenschaften und Vorteile im Vergleich zu anderen Dateisystemen (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):
- Skalierbarkeit: OpenZFS kann große Mengen an Daten verwalten, ohne an Leistung zu verlieren. Es ist für Systeme mit mehreren Petabytes Daten ausgelegt.
- Datenintegrität: OpenZFS verwendet Checksummen, um die Integrität der Daten sicherzustellen. Wenn Daten korrupt sind, kann es sie automatisch reparieren.
- Snapshot-Funktionalität: OpenZFS ermöglicht das Erstellen von Momentaufnahmen (Snapshots) des Dateisystems zu einem bestimmten Zeitpunkt. Diese Snapshots können für Backups und Wiederherstellungen verwendet werden.
- Kompression: OpenZFS bietet transparente Komprimierung, die den Speicherplatz effizienter nutzt und die I/O-Performance erhöhen kann.
- Flexible Volumes: ZFS-Volumes können dynamisch in der Größe angepasst werden und bieten zusätzliche Funktionen wie Quotas und Reservierungen.
Besonders interessant ist der Punkt 3. die Snapshots. Änderungen an Daten werden nicht *über* die Daten geschrieben, sondern *hinter* die Daten angefügt. Damit stehen mehrere Versionen der gleichen Datei zur Verfügung (vor der Änderung und nach der Änderung). Dies hat den großen Vorteil, dass z.B. Schädlinge die Originaldaten nicht überschreiben können. Egal ob der "Schädling" der Mensch oder eine Ransomware ist. Das Dateisystem ist dafür optimiert, den erforderlichen Speicherplatz so gering wie möglich zu halten. Die Konfiguration der Snapshots definiert dabei die Haltbarkeit der behaltenen Daten, so dass ältere Versionen der Daten irgendwann gelöscht werden und das Dateisystem nicht aus den Nähten platzt. Zudem benötigt ein Snapshot fast keinen Speicher. Er ist nur eine Verwaltungsinformation die besagt: "Ab jetzt werden Änderungen in neue Dateien geschrieben" (ich nenn das "Datei-forking").
Eine schöne Eigenschaft von TrueNAS ist, daß es sowohl als supportetes kommerzielles Produkt erworben werden kann als auch als Core-Version lizenzkostenfrei. Jeder kann sich sein TrueNAS aus einem PC und drei Festplatten selbst zusammenbauen, wenn er das technische Verständnis hat die Teile zu kombinieren. Wer das Produkt einfach nur nutzen will und ggf. eine Hotline anrufen will, der zahlt für das kommerzielle Produkt. Wer sich technisch was zutraut baut es sich einfach selbst - die Komplexität entspricht der Installation einer Linux-Distribution ist daher machbar.
Am schwierigsten dürfte für den Neuling das Vokabular sein, das mit der Konfiguration einhergeht. Was ist ein "Pool" und was ist ein "Tank", was ist ein Snapshot und was ist die Replication. Was bedeutet "Scrubbing" etc. Im Zeitalter von KI kann man sich diese Begriffe von einer KI erklären lassen oder das Handbuch lesen.
Ich baue meine TrueNAS aus drei Platten auf:
Das Betriebssystem befindet sich auf der OS-Platte, meist eine schnelle SSD. Diese Platte kann relativ klein sein, weil sie nur das OS und ggf. Logfiles etc. speichern muss.
Die zu speichernden Daten befinden sich auf der Pool-Platte. Dafür nehme ich eine großvolumige HDD im Terrabyte-Bereich. Der Tank ist eine Kopie der Pool-Platte und ist ebenfalls eine gleichgroße HDD. Er wird über einen Replikations-Job beschrieben.
Es können beliebig viele Platten eingebaut und zu "pools" zusammengebaut werden - ich baue meist kleine 3-Platten Systeme. Weil verfügbare PC ein Netzteil und Anschlüsse haben müssen, die die Anzahl von Platten unterstützt.
Ich verwende kein RAID sondern nutze den Replikationsmechanismus von TrueNAS um Kopien der Daten (Tank) zu erstellen und eine hohe Performaz zu erreichen. (RAID würde das System langsam machen und wäre bei ZFS sinnlos)
Snapshots sorgen dafür, dass alte Dateiversionen nicht überschrieben werden. Damit liegt eine Datei und potentiell vielen Zuständen auf der Platte. Original. 1ste Änderung, 2te Änderung,...wobei das ZFS nur die Änderungen selbst speichert und den Rest der Datei wiederverwendet. Daher brauchen die N-Versionen der Dateien nicht N-mal soviel Speicherplatz auf der Platte, sondern nur soviel wie 1-mal Datei plus alle kleineren Änderungen. (z.B. einzelne Bytes)
Für den Zugriff auf die Pool-Platte bietet TrueNAS sehr viele unterschiedliche Methoden an. Darunter sind AFP, iSCSI, NFS, WebDAV und SMB. 17 unterschiedliche Dienste können konfiguriert werden (z.B. ssh, rsync, tftp,...).
Ein wichtiger Faktor bei dem Design eines TrueNAS ist das RAM, das heute leider sehr teuer geworden ist. Viele der Prozesse im TrueNAS - das Jonglieren mit den Snapshots und das Aufräumen der alten Daten werden im RAM durchgeführt. Daher sollte ein TrueNAS mindestens 16GB Ram haben - je mehr desto besser.
TrueNAS Dokumentation